Große Augen machten einige der Zuffenhäuser Bezirksbeiräte, als aktuelle Bilder des Roter Bürgerhauses gezeigt wurden. Auf der Leinwand über ihren Köpfen erschien ein knallrotes Gebäude, das der Forderung nach einem Farbtupfer für den Stadtteil mehr als gerecht wird.
Man weiß ja nie: Vielleicht findet eines Tages Wencke Myhre den Weg zur Aulicher Straße in Rot. Die Schlagerdiva besang vor fast vier Jahrzehnten das mittlerweile berühmt-berüchtigte „knallrote Gummiboot". Beim Anblick des Bürgerhauses dürften alte Erinnerungen wieder zu neuem Leben erweckt werden. Schon von weitem sticht die rote Fassade ins Auge, und das ist auch genau das, was im Rahmen der offenen Bürgerbeteiligung beabsichtigt war. „Das Haus soll ein Farbtupfer für den Stadtteil sein", umschrieb Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in der jüngsten Sitzung des Zuffenhäuser Bezirksbeirats die Intention des Projekts und meinte damit nicht nur die Außengestaltung.
Nachdem sich die erste Überraschung in Reihen der Bezirksbeiräte gelegt hatte, fanden die Vertreter der einzelnen Fraktionen durchaus lobende Worte für die Farbgestaltung. So sprach CDU-Vertreter Hartmut Brauswetter von einer „roten Blüte". Wie Oberbürgermeister Wolfgang Schuster das Gebäude gefällt, stellt sich am 12. Mai heraus. Dann kommt der Stuttgarter Schultes nach Rot, um das Haus offiziell einzuweihen. Bis es so weit ist, wird aber noch weiter in den Farbtöpfen gerührt. Auch im Innern sollen nämlich visuelle Akzente gesetzt werden. Wie die genau aussehen, ist noch nicht abschließend geklärt. Vor kurzem wurde ein Fachbüro hinzugezogen, das das Konzept des Nutzerrats ergänzen soll. Festzustehen scheint bislang, dass es für jeden der Haupträume ein eigenes Farbelement geben wird. Grundsätzlich, so erklärte Holch im Bezirksbeirat, sei das Budget für die Innenausstattung mit 100.000 Euro recht knapp bemessen. Immerhin bekam der große Saal eine neue Decke. Diese hat die Proportionen vorteilhaft verändert, der Raum wirkt jetzt nicht mehr so hoch. Der Boden des Saals kann allerdings aus finanziellen Gründen nicht ausgetauscht werden.
Insgesamt kostet der Umbau des Comeniushauses zum Bürgerhaus 1,25 Millionen Euro. 50 Prozent kommen aus dem Bund-Länder-Förderprogramm Soziale Stadt, die anderen 625 000 Euro bezahlt die Stadt, die auch die 100.000 Euro für die Inneneinrichtung übernimmt. Das Hauptgebäude hat die Stadt der evangelischen Kirchengemeinde für 580.000 Euro abgekauft, dort entsteht momentan das Bürgerhaus. Das Nebengebäude bleibt weiterhin im Eigentum der Kirche, es wird zum Gemeindezentrum umgestaltet und erhält den Namen Comeniushaus. Nicht nur der Stadtteil Rot soll vom Bürgerhaus profitieren. Die Türen stehen auch Zuffenhäuser Nutzern weit offen. Zum Zeichen dafür, dass das Haus für die Bürger des gesamten Bezirks da ist, wird bald das Zuffenhäuser Stadtwappen an die Fassade gehängt. Dann bekommt der rote Farbtupfer seinen eigenen kleinen grünen Farbtupfer.
Von Bernd Zeyer mit freundlicher Genehmigung der Nord Rundschau
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