In drei Teilabschnitten will die Bahn auf einer Strecke von 20 Kilometer Länge eine Stromleitung zwischen Aichwald und Zazenhausen erneuern und teilweise abbauen. Dafür will die Bahn eine bestehende EnBW-Trasse kaufen und umbauen. Von dem Vorhaben wird auch das Neubaugebiet in den Hohlgrabenäckern profitieren.
Der Anblick der mächtigen Stahlkolosse, die mit ausgebreiteten Armen die Stromleitungen über die Stadtteile Freiberg, Rot und Zazenhausen halten, soll bald der Vergangenheit angehören. Tangiert ist auch das 18 Hektar große Areal auf den Hohlgrabenäckern zwischen der Eisenbahnlinie nach Kornwestheim und der Zazenhäuser Straße. Aber nicht nur im Bereich der Aufsiedlung, die ab Herbst 2007 dort entstehen wird, soll der Abbau der Bahnstromleitung „zu einer deutlich wahrnehmbaren Entlastung des Landschaftsbildes und der Menschen in den betroffenen Siedlungsräumen führen", heißt es in einer Mitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Dort läuft bereits das Anhörungsverfahren für die Erneuerung der 110 Kilovolt-Bahnstromleitung von Altbach bis Zuffenhausen. In diesem Zusammenhang will die DB Energie, der Energiemanager der Deutschen Bahn, einen Teil der 20 Kilometer langen Leitung zwischen Aichwald und Zazenhausen abbauen. Im ersten Teilabschnitt wird die vorhandene Stromleitung von Altbach nach Aichschieß umgebaut. Von Aichschieß über Kernen, Fellbach und Waiblingen nach Remseck will die DB Energie dann ein 17 Kilometer langes Trassenstück von der EnBW erwerben und zur Bahnstromleitung umbauen. Statt 220 Kilovolt werden dann nur noch 110 Kilovolt durch die Leitungen fließen.
Im dritten Teilabschnitt soll die Leitung von Neckarrems über Oeffingen, Aldingen und Mühlhausen zum DB-Umspannwerk in Zazenhausen auf einer Länge von 8,8 Kilometern mit der bestehenden Leitung der EnBW gebündelt werden. Die EnBW bringt dafür auf ihren Masten eine dritte Traverse an, auf die die Bahnstromleitungen der DB Energie montiert werden. Profitieren werden hiervon die Stadtteile Freiberg, Rot und Zazenhausen, denn die von Fellbach über Sommerrain kommende Leitung soll, nachdem die Trasse erneuert ist, abgebaut werden.
Karl-Theo Maurer vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung war angesichts dieses Bahnvorhabens positiv überrascht: „Uns wurde zu Beginn der Planungen für die Hohlgrabenäcker mitgeteilt, dass sich an der Stromleitung so schnell nichts ändern werde." Auf das Neubaugebiet hätte diese allerdings kaum Einfluss gehabt, da ohnehin ein Abstand zum Bahndamm eingehalten werden musste. „Das Stadtbild wird sich jedoch merklich ändern, wenn die Masten wegkommen", sagt Maurer. Das Vorhaben ist Teil des Gemeinschaftsprojektes „Netzbereinigung Mittlerer Neckar" von EnBW und der DB Energie. Dabei werden bestehende Bahnstromleitungen von München über Augsburg und Ulm bis Stuttgart bis 2008 abschnittsweise erneuert. „Die Leitungen sind teilweise noch aus dem Jahr 1933 und müssen erneuert werden", sagt Oliver Cutheil, Sprecher der DB Energie. Die Bahn rechnet im süddeutschen Raum in den kommenden Jahren zudem mit wachsendem Verkehrsaufkommen. „Wir müssen langfristig unsere Energiekapazitäten erhöhen, um die Versorgung in Süddeutschland zu sichern", erläutert Gutheil. Hintergrund ist der geplante Ausbau des europäischen Eisenbahnnetzes, das von leistungsstarken Hochgeschwindigkeitszügen befahren wird. Im Sommer 2008 soll die Aufsiedlung beginnen, bis dahin könnte auch die Trasse abgebaut sein, sagt Gutheil. Die Bahn will noch Ende dieses Jahres mit den Umbauarbeiten beginnen.
INFO: Stellungnahmen können noch bis einschließlich 21. Februar abgegeben werden. Der Anhörungsbericht soll bis Ende Mai fertig sein.
Von Ulrike Koch mit freundlicher Genehmigung der Nord-Rundschau
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