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LOS-Projekt:
"...endlich Gesichter hinter den Fenstern"


Die Gustav-Werner-Schule für geistig Behinderte liegt nur wenige Meter entfernt vom Haus Adam Müller Guttenbrunn, in dem ältere Menschen ihren Lebensabend verbringen. Dennoch gab es bislang kaum Berührungspunkte. Dank eines LOS-Projektes haben Kinder und Senioren ein Stück zueinander gefunden.

Wer aus dem Werkraum im zweiten Stock der Gustav-Werner-Schule aus dem Fenster sieht, dem sticht sofort ein großer Gebäudekomplex ins Auge. Mehr als 120 Senioren wohnen im Haus Adam Müller-Guttenbrunn.
„Mit den Kindern sind wir schon oft dort vorbeigelaufen. Nun gibt es endlich Gesichter hinter den Fenstern", sagt die Lehrerin Barbara Schwarz. Einige dieser Gesichter waren am Freitag zu Gast in der Schule für geistig Behinderte. Hintergrund für das generationenübergreifende Treffen ist ein LOS-Projekt (Lokales Kapital für soziale Zwecke) des Förderprogramms „Soziale Stadt".
Gemeinsam stellen Kinder und Senioren faustgroße Keramikperlen her, die, auf Stangen aufgereiht, zu Säulen werden. Im Mai sollen diese Säulen einen Platz im Nationengarten des neuen Bürgerhauses finden. Der Weg ist das Ziel - unter diesem Motto lässt sich das Vorhaben treffend charakterisieren. Im Mittelpunkt steht das Einandernäherkommen zweier verschiedener Menschengruppen. Den Jugendlichen soll durch den Umgang mit pflegebedürftigen Senioren soziale Kompetenz vermittelt werden, die alten Menschen, von denen einige keine Verwandten mehr haben, bekommen neue Gesprächspartner. Die anfänglichen Berührungsängste konnten durch gemeinsame Spiele und Lieder rasch abgebaut werden.

„Die alten Leute erzählen spannende Geschichten aus ihrer eigenen Schulzeit", berichtet Anna. Die 13-Jährige hat sich mit einer der älteren Damen bereits angefreundet und kann sich gut vorstellen, nach dem Ende des Projektes im Mai auch weiterhin Kontakt zu halten. „Ich würde mich immer über einen Besuch freuen", sagt Else Hayn. Die 68-Jährige hat selbst keine Verwandten mehr und unterhält sich sehr gerne mit den Kindern aus der Gustav-Werner-Schule. Die Themenpalette reicht dabei von Schulerlebnissen über Handarbeiten bis hin zu Haustieren und Urlaubserfahrungen. Einen Unterschied scheint es allerdings zu geben: „Die älteren Menschen reden lieber über die Vergangenheit, die Kinder über die Gegenwart", hat Barbara Schwarz bemerkt.
Nicht nur Senioren und Kinder haben im Verlauf des Projekts neue Erkenntnisse gewonnen. „Ich wusste gar nicht, dass es solch gute Schulen für geistig behinderte Kinder gibt", hat beispielsweise Olga Reitenbach, eine Mitarbeiterin des Hauses Adam Müller-Guttenbrunn, überrascht festgestellt. Ihre Erfahrungen mit den Senioren möchte eine Schülerin noch auf ganz besondere Art und Weise vertiefen. Die junge Frau kann sich gut vorstellen, einmal ein Praktikum im Haus Adam Müller-Guttenbrunn zu machen.

Koordiniert wird das Vorhaben, bei dem insgesamt sieben gemeinsame Termine vorgesehen sind, von Wolfgang Zaumseil. „Durch das Projekt profitiert das soziale und kulturelle Leben im ganzen Stadtteil", sagt der Architekt.


Von Bernd Zeyer
mit freundlicher Genehmigung der Nord-Rundschau


29.03.2007

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