Die Roter nennen sie Käskirch und lieben vor allem ihre bunten Bullaugen. Nun haben Architekturstudenten untersucht, wie ins Kirchenschiff Gemeinderäume eingebaut werden könnten. Ob das aber realistisch ist, müssen Kirchengemeinde und Denkmalamt entscheiden.
Die Mönchfelder machen es vor und lassen Gemeinderäume in ihre Kirche einbauen. Das inspiriert offenbar auch die Protestanten in Rot. Vor einigen Jahren hatten sie ihr Comeniushaus - das heutige Roter Bürgerhaus - zu großen Teilen verkauft. Im verbleibenden Teil sollte ein Gemeindesaal und eine Pfarrwohnung entstehen, was sich aber als teuer erwies. Im vergangenen Jahr gab der Kirchengemeinderat die Pläne auf; die Verhandlungen über den Verkauf laufen.
Allerdings fehlt der Gemeindesaal, und die Kirche selbst erscheint vielen als zu groß. Professor Hans Klumpp von der Stuttgarter Hochschule für Technik stieß daher mit dem Vorschlag auf offene Ohren, seine Studenten könnten in ihrer Abschlussarbeit über den Einbau von Gemeinderäumen in die Auferstehungskirche nachdenken. "Bauen im Bestand" nennt sich das und wird laut Klumpp einen Großteil der zukünftigen Architekturprojekte ausmachen.
Pfarrer Ulrich Vallon verdeutlichte bei der Präsentation am Montag, dass es sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur um Gedankenspiele handele. "Es geht darum festzustellen, ob es sich überhaupt lohnt, in diese Richtung weiterzudenken." Alternativ wäre etwa ein Neubau im Kirchgarten denkbar. Hans Klumpp verdeutlichte: "Ohne diese Überlegungen zu kennen, kann ich sagen, dieses Projekt hier ist das schwierigste." Denn die von Erwin Rohrberg geschaffene Auferstehungskirche gilt als Paradestück ihrer Zeit und steht unter Denkmalschutz: An die markanten Bullaugenfassaden zum Beispiel darf nicht gerührt werden. Alle Vorschläge basieren deshalb im Grunde auf einem "Saalkörper", ein zusätzlicher Raum im Kirchenschiff, der die Seitenwände nicht berührt. Mal lässt er sich zum Altar hin, mal zum Foyer hin öffnen; teils besteht er aus transparenten Elementen. Die entfallenden Bankreihen werden oft auf einer Art Empore weitergeführt.
Die Gemeindeglieder beteiligten sich interessiert an den Ausführungen der Jungarchitekten, hakten nach und merkten an. Die Modelle, die der größeren Klarheit wegen im Überformat gefertigt worden waren, warfen auch Fragen auf. Etwa, wie ein solcher Einbau die Akustik im Kirchenraum verändert. Denn das könnte das Ende der beliebten Veranstaltungsserie "MusikRot" bedeuten. Erika Geyer von der Kirchengemeinde sorgte sich außerdem um die Atmosphäre in der Kirche: "Ob die Studenten bei ihren Vorbereitungen mal einen Gottesdienst hier besucht haben?" Denn nur so ließe sich die besondere Lichtstimmung wahrnehmen. Sie sprach von einem "Gotteslicht, das dank der Bullaugen punktuell durch das Schiff wandert. Irgendwann erreicht es jeden - ein schönes Bild."
Klumpp selbst betrachtet das Werk Rohrbergs voller Respekt und distanzierte sich sogar ein Stück weit von den Gedankenspielen: "Das Ergebnis kann auch sein, dass man von dem Projekt wieder abkommt." Er bedaure es, dass heute immer alles auf seine Rentabilität abgeklopft werde: "Vielleicht sollte man gerade solche großen Räume erhalten, auch wenn sie unpraktisch scheinen: Klein haben es die Leute auch zu Hause."
Von Susanne Müller-Baji Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau |