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Vom Bauchtanz
bis zur Roter Oase


Wenn schon der Stadtteil so heißt, sind auch die Hocketsen bunter: Am Samstag lud der Bürgerverein Rot zum internationalen Stadtteilfest ein, und alle machten mit: Es gab irische Klänge und afrikanische Trommeln, türkische Lahmacun und deutsche Bratwurst. Vor allem aber: viel Gemeinsamkeit.

Schon auf der Bühne ging es nach der feierlichen Eröffnung durch Bezirksvorsteher Gerhard Hanus äußerst vielseitig zu: Die Folk-Formation Dunmores stimmte keltische Weisen wie das traditionelle "King of the Fairies" an, der Kindergarten der benachbarten katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde präsentierte Bewegungstänze von Kindern für Kinder. Die Jugendlichen des TV Zuffenhausen zeigten außerdem lässige Hip-Hop-Choreografien. Außerdem ließ eine Bauchtänzerin die Hüften kreisen, und für den Abend hatte sich dann noch die christliche Rockband 7up angekündigt. Die Gäste staunten. Das internationale Stadtteilfest, das sich aus dem Aktionstag "Rot geht" und "Rot geht weiter" entwickelt hatte, ging sogar noch sehr viel weiter und präsentierte sich weltoffen und multikulturell.

Die Stände spiegelten bei genauem Hinsehen auch die Geschichte des "Schmelztiegels" Rot wieder, der über Jahrzehnte Ort des Neuanfangs für seine Einwohner war: Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen erzählte an ihrem Stand von den Gebräuchen und Traditionen in der alten Heimat. Nur wenige Schritte weiter gab es Kostproben aus der Türkei, von wo die nächste Einwandererwelle nach Rot gekommen war: Lahmacun und Gözleme und viele Leckereien mehr hatten die Frauen um Zabun Kurtulus zubereitet: "Die Leute kennen immer nur Döner, und nach dem Türkei-Urlaub sind sie dann begeistert, wie vielseitig die Küche dort ist", sagte sie.

Wer neugierig geworden war, konnte den Frauen auch bei der Zubereitung zuschauen. Erstmals beim internationalen Stadtteilfest mit dabei war der Stand der Evangelischen Gesellschaft, die dort ihr jüngstes Projekt, den Stadtteiltreff Oase an der Gundelsheimer Straße 51 vorstellte. Der ist ausdrücklich nicht nur auf Bedürftige ausgerichtet, sondern will als offener Treff schlichtweg alle Roter ansprechen. Die sollen hier die Möglichkeit erhalten, untereinander in Kontakt zu treten. Sie können aber auch Hilfestellungen erhalten; etwa bei Bewerbungen oder beim Ausfüllen von Amtsformularen. Außerdem wird ein Mittagstisch zum Selbstkostenpreis angeboten, es liegen Zeitungen aus, und es gibt einen Internetzugang. Das Angebot soll weiter ausgebaut werden, verriet Oase-Leiterin Elisabeth Tschürtz: Zum Stadtteilfest wurde das Roter Mobil seiner Bestimmung übergeben, eine Fahrradkonstruktion mit Boxaufbau, mit der etwa Zulieferfahrten übernommen werden können. Helfen will man damit Menschen, die nicht oder kaum mobil sind: Es könnten damit etwa Lebensmittel angeliefert werden, sagt Elisabeth Tschürtz: "Was die Nutzung des Roter Mobils angeht, sind wir aber auch offen für weitere kreative Ideen." Unabhängig von den Herkunftsländern blieben am Schluss dann aber so gut wie alle Festbesucher bei der urgemütlichen Hocketse hängen. Hier wurde auch schon vorsichtig über die Vorhaben im kommenden Jahr nachgesonnen, beim nächsten Internationalen Stadtteilfest. Denn in Rot ist nach dem Fest auch vor dem Fest.



Von Susanne Müller-Baji
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


22.07.2008

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