Am Freitag, den 11.7., fand die Filmpremiere zum Integrations- und Bildungsprojekt "Kids am Set" im Zuffenhäuser Jugendhaus statt. Jugendliche aus der Tageseinrichtung Hohenloher Straße und der Gustav-Werner-Schule präsentierten ihre selbst entwickelten und produzierten Kurzfilme.
Rund 60 Gäste, darunter die Eltern der jungen Filmemacher, Freunde, Lehrer und Pädagogen aus Jugendamt, Hort und Schule waren anwesend, bestaunten die Fotogalerie zum Filmprojekt „Kids am Set“ der Fotodesignerin Verena Hanreich und verfolgten gespannt die beiden auf Großbildleinwand präsentierten Kurzfilme.
Die Schüler der Gustav-Werner-Schule für geistig Behinderte haben einen märchenhaften und sehr poetischen Film mit dem Titel "Der Löwe sucht einen Freund" entwickelt. Die Schüler schlüpften dabei als menschliche Darsteller in tierische Rollen mit selbst gestalteten Masken. Das mag sich abstrakt anhören, doch verzaubert beim Zuschauen. Ganze zwanzig Minuten dauert die Geschichte des Löwen, der da einsam, aber mit stolzer und im Wind flatternder Krepppapiermähne durch Wiesen und Gebüsch auf der Suche nach einem Freund und Spielkameraden stapft. Auf seiner Reise begegnen ihm andere Tiere in Form weiterer Schüler mit ebenso fantasievollen Masken wie zwei große Elefanten, ein Nilpferd, eine schüchterne, schreckhafte Katze und schließlich ein neugieriges Wildschwein. Musikalisch untermalt ist die tierische Geschichte von Klaviermusik, die eine Lehrerin der Gustav-Werner-Schule für den Film einspielte.
Ganz poetisch kommt der Stein ins Rollen, als das abenteuerlustige Wildschwein den Löwen kurzerhand zum Freund nimmt. Die anderen Tieren werden neugierig und ihre Skepsis und Ängste lösen sich auf. Ein großes Freudenfest der Tiere ist das große Finale des Films. „Der Löwe sucht einen Freund“ ist eine Parabel über die Macht der Vorurteile und die Folgen von allzu großer Vorsicht und Angst vor dem Unbekannten. Eine tief berührende und doch humorvolle Geschichte, die von Schülern der Gustav-Werner-Schule seit Oktober letztes Jahr entwickelt und gemeinsam mit der Erzieherin und Projektleiterin Johanna Kapsokili aus dem Zuffenhäuser Jugendhaus und dem freischaffenden Künstler Daniel Spreng auf die Kinoleinwand gebannt wurde.
Die Teilnehmer aus dem Hort Hohenloherstraße stellten ebenfalls ihren in neun Monaten gereiften Kurzfilm mit Musicalcharakter vor, der sich mit brisanten Themen wie Mobbing, Drogen und Gewalt unter Jugendlichen, aber letztlich auch Toleranz und Freundschaft beschäftigt. Es trägt den verheißungsvollen Titel "Das rettende Opfer" und erzählt die Geschichte eines Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der auf der Suche nach Anschluss in seinem neuen Wohnort ist. Er ist anders als die anderen und bekommt dies von der angesagten und ultracoolen Clique skrupellos zu spüren, die ihn allein aufgrund seiner schäbigen Kleidung demütigt und sogar bedroht. Zur Wende kommt es im Schwimmbad, als die gewaltbereite Clique Jugendlicher einen behinderten Jungen ins Wasser stößt und dieser zu ertrinken droht. Selbstlos und voller Zivilcourage stürzt sich der Junge aus dem armen Elternhaus in das Schwimmbecken und rettet den Jugendlichen aus den Fluten. Die Clique erkennt nun voller Entsetzen, dass sie zu weit gegangen ist und kümmert sich mit um den behinderten Jungen. Doch die Tragödie nimmt ihren Lauf, denn auf der Fahrt im selbst ernannten Rettungsauto leckt plötzlich der Benzintank und es kommt kurz vor dem Ziel zu einem schrecklichen Unfall, bei dem alle Jugendlichen in einem lodernden Flammeninferno aus Spezialeffekten sterben. Erst im Himmel finden sie sich friedlich vereint wieder und genau mit diesem fatalen und vielleicht auch für eine Fortsetzung offenen Ende folgt auch schon der Abspann des zum Nachdenken anregenden Films.
Tosender Applaus des Publikums folgte für die jugendlichen Darsteller und Filmemacher, gefolgt von einem großen Lob und einem herzliches Dankeschön seitens der anwesenden Jugendamtsvertreterin Müller, der Hortleitung Ruch und der Konrektorin Öl-Schlegel der Gustav-Werner-Schule an die beiden Regisseure Johanna Kapsokili und Daniel Spreng sowie an das Zuffenhäuser Jugendhaus selbst für das sehr gelungene und außergewöhnliche Kooperationsprojekt. Die Anwesenden bei der Filmpremiere waren sich einig: Das Filmprojekt „Kids am Set“ als Integrations- und Bildungsprojekt soll weitergehen.
Gefördert wurde „Kids am Set“ vom Projektmittelfonds der Stadt Stuttgart "Zukunft der Jugend", der RTK Zuffenhausen und dem LJP. Für eine Fortführung werden nun dringend weitere Fördermittel gesucht. Die Gustav-Werner-Schule hat „Kids am Set“ als AG im Rahmen des Unterrichts angeboten. Die Kindertagesstätte ermöglichte ihren Kindern die Teilnahme am Projekt als Zusatzangebot zum regulären Betreuungsangebot.
Die beiden Filme sind übrigens auf Anfrage als DVD im Zuffenhäuser Jugendhaus erhältlich.
Nähere Informationen bei Johanna Kapsokili unter Telefon: 871990.
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