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Scherbenhaufen statt Schulterschluss
Fusion zwischen dem SV Rot und dem TV 89 Zuffenhausen gescheitert


Eine Gegenstimme zu viel reichte aus, um die Fusion des SV Rot mit dem TV 89 Zuffenhausen zu kippen. Die Konsequenz: Das alte Vorstands-Duo des SVR trat sofort zurück, das neue will seinen Posten nicht antreten. Nach aktuellem Stand ist der Traditionsclub führungslos, seine Zukunft ungewiss.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Samstag in Rot und Zuffenhausen die Nachricht, dass der Zusammenschluss des SV Rot mit dem TV 89 Zuffenhausen nicht zustande kommt. Statt eines Schulterschlusses gab es einen Scherbenhaufen: 42 der 562 Mitglieder waren am Freitag bei der außerordentlichen Hauptversammlung des SV anwesend, von denen laut Satzung neun Zehntel für die Fusion hätten votieren müssen. Bei fünf Gegenstimmen war das genau eine zu viel - Antrag abgelehnt.

Bei den Fusions-Befürwortern herrscht Fassungslosigkeit. "Wir haben eineinhalb Jahre lang auf den Zusammenschluss hingearbeitet, etliche Projekte entwickelt und praktisch schon für die nächsten Jahre geplant", sagt Brigitte Wägner, Vorsitzende des TV 89. "Jetzt war alles umsonst." Wolfgang Dambacher, bis Freitag Vorsitzender des SV, und Kassier Robert Bauer traten nach der Wahl wie angekündigt mit sofortiger Wirkung zurück. "Ohne die Fusion kann der SV Rot nicht überleben", sagt Dambacher. "Der Verein ist ab Oktober 2008 zahlungsunfähig." Dambacher kritisiert vor allem, dass sich die Gegner erst jetzt zu Wort gemeldet hätten. "Auf der Hauptversammlung am 8. Februar ist der Vorstand des SV Rot von den Mitgliedern beauftragt worden, den Zusammenschluss einzuleiten", sagt Dambacher. "Damals gab es eine Enthaltung, der Rest hat mit Ja gestimmt."

Als Dambacher nun nach mehr als 20 Jahren im Amt das Handtuch warf, forderten die 37 Fusions-Befürworter diejenigen auf, Verantwortung zu übernehmen, die sich zuvor gegen die Fusion aussprachen. Peter Stephan und Sven Damnig wurden zum neuen Vorstand des Vereins gewählt, offensichtlich aber ohne sich überhaupt über die Konsequenzen im Klaren gewesen zu sein. "Ich habe mich nicht zur Wahl gestellt, ich wurde dazu gedrängt. Auch auf die Frage hin, ob ich die Wahl annehme, habe ich Nein gesagt. Der Protest der Anwesenden stimmte mich aber um. So wurde das übers Knie gebrochen. Ich hatte doch zuvor nur meine Bedenken zur Fusion geäußert", sagt Peter Stephan. "Wenn wir einen Putsch gewollt hätten, dann hätte ich natürlich einen Plan gehabt und diesen nicht erst in letzter Minute präsentiert, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt."

Der 32-Jährige hat schnell realisiert, was die Wahl zum Vorsitzenden des SV für ihn an Aufgaben bedeutet. "Wir haben keinen Führerschein, wir haben keinen Fahrlehrer, wir haben keinen Erwachsenen, der neben uns sitzt und uns beaufsichtigt. Deshalb ist es illegal, dieses Fahrzeug zu bewegen", sagt der in Funktionärsarbeit unerfahrene Stephan. Noch am Samstag versuchte er, Ex-Vorstand Dambacher zu überreden, gemeinsam mit ihm auf der Hauptversammlung des TV 89 Zuffenhausen zu erscheinen und Kooperationsgespräche zu beginnen. Doch diese Möglichkeit war nicht mehr realisierbar. "Wir sind doch nicht auf dem Jahrmarkt", sagt dazu Wolfgang Dambacher. Auch der Versuch eines sofortigen Rücktritts des neuen Vorstands scheiterte, da laut jeder gängigen Vereinssatzung ein Rücktritt nur durch Neuwahlen erfolgen kann und hierzu ordnungsgemäß eingeladen werden muss.

Professionelle Hilfe suchte Stephan sich bei dem anwesenden Notar, der im Auftrag der beiden Vereine den Verschmelzungsvertrag erarbeitet hatte. Jörg Schaible protokollierte die außerordentliche Hauptversammlung und sprang auch als Wahlleiter bei den erforderlichen Neuwahlen ein, nachdem das alte Vorstands-Duo Dambacher und Bauer zurückgetreten war. Da das neue Vorstands-Duo Stephan und Damnig die notwendige Änderung des Vereinsregisters nicht beantragen will, muss der Notar das Protokoll der Versammlung an das Vereinsregistergericht übersenden. Dort wird dann entschieden, wie es weitergeht. So lange bleibt der Verein SV Rot führungslos. Stephan verteidigt diese Maßnahme und hofft auf die Einrichtung eines Notvorstandes, die dann eine Kooperation mit dem TV 89 Zuffenhausen erarbeiten soll. "Turnen ist nicht unsere Kernkompetenz. Der TV soll ruhig unsere Halle nutzen können und zum Nutzen aller beitragen, Sportler sowie Vereine, Rotler wie Zuffenhäuser. Wir wollen aber die Konkurrenz im Fußball beibehalten. Fusionen sind eine Modeerscheinung und eine Abschaffung der Vereinsvielfalt." In den Finanzen sieht Stephan kein Problem. "Ich glaube, die Fußballer haben sich bisher selber finanziert."

Der Fusionsbefürworter und Fußballabteilungsleiter Matthias Haarer, selbst aus privaten Gründen bei der entscheidenden Abstimmung verhindert, schüttelte nur den Kopf, als er am Samstagmorgen über die drastische Entwicklung informiert wurde: "Ich weiß nicht, aus welcher Bierlaune heraus das passiert ist."



Von Tom Bloch und Mike Meyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


30.07.2008

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