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Medizin gegen Missmut, Demenz und Depression
Am Donnerstag, 11. September, wird der Senioren-Treffpunkt Rot offiziell eröffnet


In Deutschland leben immer mehr ältere Mitbürger. Das gilt auch, und zwar in besonderem Maße, für Rot. Dort sind gut 2300 Menschen älter als 65 Jahre. Viele von ihnen sind einsam und leiden an psychischen Beeinträchtigungen. An sie richtet sich ein neues Angebot, der Senioren-Treffpunkt Rot.

"Für mich ist es schwierig, nach draußen zu gehen. Ich leide an Depressionen und brauche jemanden, der mich rausholt", erzählt Eva Jacob. Diese Möglichkeit hat die 79-Jährige vor kurzem gefunden: Einmal pro Woche besucht die Seniorin ein Gedächtnistraining im Bürgerhaus. Der Kurs ist Teil eines neuen Projekts der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart. Unter dem Motto Senioren-Treffpunkt Rot soll versucht werden, älteren Mitbürgern aus der Isolation zu helfen.

"Unsere Zielgruppe sind Senioren mit psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Demenz oder Depressionen. Viele von ihnen sind vereinsamt und kommen kaum noch aus den eigenen vier Wänden", sagt Sozialarbeiterin Brigitte Deininger, die den Senioren-Treffpunkt leitet. Das Projekt solle helfen, soziale Kontakte aufzubauen, den alten Menschen Abwechslung und neue Freunde bringen und letztendlich auch Erfolgserlebnisse vermitteln. Das Gedächtnistraining ist ein Baustein des Projekts. Momentan gibt es dabei sieben Teilnehmer, mehr sollen es auch gar nicht werden. In kleinen und überschaubaren Gruppen, so erklärt die Sozialarbeiterin, gelinge es viel besser, auf die einzelnen Bedürfnisse einzugehen und jegliche Hektik zu vermeiden. Um die Hemmschwelle weiter abzubauen und die Teilnahme zu erleichtern, gibt es einen Hol- und Bringdienst. Außerdem werden die Senioren bei Bedarf telefonisch an die Termine erinnert und zum Mitmachen motiviert.

Neben dem Gedächtnistraining ist bereits mit einer offenen Kaffeerunde begonnen worden. Die findet donnerstags von 14 bis 16 Uhr statt und jeder, der mitmachen möchte, kann dort ohne Anmeldung vorbeischauen. Für die nahe Zukunft sind eine Reihe weiterer Veranstaltungen geplant. Dazu gehören unter anderem Ausflüge, Feste und eine Vortragsreihe rund ums Älterwerden. Von Oktober an stehen dabei dann einmal im Monat Themen wie richtige Ernährung, Patientenverfügung oder Gesundheit auf der Vortragsliste. So verschieden die Angebote auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: Im Vordergrund steht immer der Kontakt zu anderen Menschen und die Integration in eine Gemeinschaft.

Was das Gedächtnistraining angeht, scheint man auf dem besten Weg zu sein. "Ich gehe gerne hin, es ist ein netter Kreis, und wir haben viel Spaß. Man wird an vieles erinnert, das man eigentlich schon lange vergessen hat", beschreibt Eva Jacob ihre bisherigen Erfahrungen. Auf etwas möchte die gebürtige Breslauerin, die seit 1947 in Stuttgart lebt, keinesfalls verzichten: "Lachen ist wichtig. Es soll ja keine Schulstunde sein."

Der Senioren-Treffpunkt ist ein Projekt der Sozialen Stadt Rot. Die Patenschaft hat Rolf Helmut Seitz, Vorsitzender des Bürgervereins und Mitglied des Lenkungsausschusses der Sozialen Stadt, übernommen. Als Träger fungiert die Evangelische Gesellschaft (eva). Angelegt ist das Vorhaben zunächst bis Dezember 2010.

"Das Projekt ist die Antwort auf den hohen Altersanteil in Rot", beschreibt Theodor Arns von der eva-Pressestelle den Hintergrund des Seniorentreffs. Mit mehr als 2300 Einwohnern über 65 Jahre weise der Stadtteil einen überdurchschnittlich hohen Altersanteil von 22 Prozent auf. Davon wiederum, so Arns, sei die Hälfte mehr als 75 Jahre alt. Mitmachen können übrigens nicht nur ältere Mitbürger. Ehrenamtliche Helfer werden nämlich ebenfalls gesucht.


Offiziell eröffnet wird der Senioren-Treffpunkt (Bürgerhaus Rot, Auricher Straße 34 A) am Donnerstag, 11. September, um 14 Uhr. Das Grußwort wird Bezirksvorsteher Gerhard Hanus sprechen. Informationen zu dem Projekt gibt es bei Brigitte Deininger unter Telefon 8 49 49 10.



Von Bernd Zeyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


08.09.2008

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