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Geschichte und Geschichten
auf der Spur


Zuffenhausen. Wie war der Alltag im Alten Flecken? Warum wurde Fachwerk immer verputzt, und warum führen an den typischen Häusern drei Stufen zum Eingang hinauf? Ein Rundgang der Volkshochschule (Vhs) Stuttgart mit dem ehemaligen Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle führte am Samstag zu Alt-Zuffenhäuser Geschichte und Geschichten.

Das historische Zuffenhausen? Selbst Alteingesessene würden an dieser Stelle abwinken: Der Stadtbezirk gilt als Industriestandort, an dem kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist. Selbst jetzt, mit dem Stadtbahnbau, verändert sich das Straßenbild fast täglich. Und doch gibt es im Alten Flecken viele geschichtliche Besonderheiten, denen jetzt ein Vhs-Angebot auf die Spur kam. Und das Interesse war groß, wie der frühere Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle feststellte: "Es waren einige bekannte Gesichter darunter, andere kamen aus Feuerbach oder Stuttgart - oder waren neu zugezogen und wollten mehr über Zuffenhausen erfahren." An sich hätten sich Wolfgang Meyle, Manfred Glöck und Werner Rees vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis die Führung teilen sollen. Aber Rees war erkrankt, so dass Improvisationstalent gefragt war. Zunächst berichtete Meyle vor Ort, wie in den 80er Jahren der damalige Baubürgermeister im Dienstwagen vor der Zehntscheuer vorgefahren war, mit einer Taschenlampe in das heruntergekommene Gebäude geleuchtet und von der Instandsetzung abgeraten hatte.

Es ist anders gekommen, und so führte der Weg nach einer Besichtigung des doch noch renovierten Gebäudes hinüber zum Spitalhof, zur Mühle und schließlich bis in die Johanneskirche. Durch die historischen Dorfstraßen ging es und vorbei an den geheimnisvollen Neidköpfen. Manfred Glöck erzählte von seinen Kindertagen in der Schuhmacherwerkstatt des Großvaters, von der kindlichen Mutprobe "Bachhopfede" und von den Gänsen, die morgens allein zum Mühlbach liefen und abends zielsicher wieder zurück in ihren Stall. Er berichtete, dass offenes Fachwerk einst gesetzlich verboten war und die feuergefährlichen Balken grundsätzlich unter Putz liegen mussten. Und dass zum Schutz vor Hochwasser an den typischen Häusern des Alten Fleckens drei Stufen zur Haustür hinaufführen: "Der Herzog hatte bestimmt, dass alle Häuser über drei Fuß hinauf gemauert sein mussten". Übrigens hatten die derzeitigen Baumaßnahmen unlängst Geschichtsträchtiges zu Tage gebracht, berichtete Wolfgang Meyle der Gruppe: Bei den Grabarbeiten war man auf Gerippe gestoßen und hatte die Polizei eingeschaltet, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um ein aktuelles Verbrechen handelt. Die Untersuchungen hätten die Knochenfunde auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges datiert, bei dem Zuffenhausen um ein Haar ausgestorben wäre: Wer nicht bei Kämpfen und Brandschatzungen ums Leben gekommen war, den habe die von Soldaten eingeschleppte Pest dahingerafft. Es seien so viele Menschen gestorben, dass ein weiterer Friedhof angelegt wurde - unweit der Stelle, an der nun die Stadtbahn entsteht.

Aufgrund des regen Zuspruchs bei dieser Veranstaltung werde man wohl bald einen weiteren Zuffenhäuser Rundgang erarbeiten, kündigte Anna Wagner-Meyle an, die ehrenamtlich die Volkshochschule im Stuttgarter Norden betreut. Fest stehe aber schon, dass sich am 22. Oktober von 19.30 Uhr an eine Rezitation mit Ludwig Uhland befassen wird: Um den Dichter und seine Feuerbacher Zeit, beschrieben vom Autoren Heinz Krämer, aber auch um die historische Figur des Zuffenhäuser Hirt soll es dann gehen, die ihren Ursprung im 14. Jahrhundert hat.



Von Susanne Müller-Baji
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


12.05.2009

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