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Die Denk-Mal-Wahl
ein bisschen Senf zum Stuttgarter 'Wahlwunder'


In anderen Ländern wurde bei den Europa- und Regionalwahlen Rechts oder kontra-Europäisch gewählt. Wie schön, dass die Stuttgarter das nicht nötig hatten. Hier waren sich die Wähler im wahrsten Sinne des Wortes grün. Was aber nicht heisst, dass das nicht genauso eine Protestwahl war...

Bündnis 90/GRÜNE konnten die Anti-Stuttgart21-Stimmung der Bevölkerung nutzen. Die anderen Parteien täten nun gut daran, abseits des Parteibuchs nach den tieferen Gründen zu suchen, sowie einen Kontext zu Europa herzustellen und die grösseren Zusammenhänge zu erkennen.

Gerade in Krisenzeiten haben immer mehr Bürger immer weniger Verständnis für ein Megaprojekt, das hauptsächlich als Prestige- und Protzlastig wahrgenommen wird, anstatt z.B. massiv überforderten KiTa- und anderen Angestellten sozialer Berufe ein erträglicheres Arbeitsumfeld zu ermöglichen, dem Umweltschutz und der steigenden Armut stärker zu begegnen oder einige der zahlreichen weiteren dringlicheren Probleme mit dem Geld anzugehen.

Mögen die GRÜNEN auch von einem populistischen Themenfeld profitiert haben (welches - das muss man fairerweise sagen - allerdings vielmehr durch ihre lange schon bekannte Position als durch das Aushängen eines Fähnleins im Wind begründet war) - die tiefere Botschaft des Stuttgarter Wählers ist klar: Der Bürger nimmt nicht mehr stillschweigend alles hin, was ihm vorgesetzt wird, besteht auf sein Mitgestaltungsrecht und macht Gebrauch von seiner aktiven Gestaltungsmacht, indem er seinen Vertretern im Rathaus und EU-Parlament deutlich macht, dass er es nicht mehr toleriert, wenn über seinen Kopf hinweg entschieden wird.
Als Glück muss man es sehen, dass der Profiteur in Stuttgart keine Partei ist, die mit menschenverachtenden Mitteln arbeitet, sondern genau das Gegenteil. Es hätte auch anders ausgehen können - siehe England, Holland und Co.

Wie auch immer; die Botschaft, die HINTER dem Stuttgarter Protest gegen S21 steht, ist die eigentliche Essenz - darum geht's. Dass es bei diesem Protest um mehr als nur um die Frage "S21 ja oder nein" geht und die Volksvertreter dem besser mit Demut und der Einsicht, dass sie nicht ohne weiteres über die Köpfe derer entscheiden können, die sie vertreten, begegnen sollten anstatt mit dem alten reflexartigen Vonsichwegschieben der echten Gründe, dürfte wohl die tiefere Lehre dieser Denk-Mal-Wahl für unsere Volksvertreter sein. Dies gilt übrigens in gewisser Weise auch für die Stuttgarter Grünen, die jetzt in einer neuen Verantwortung sind.
Die Zeiten ändern sich, und das Wort "Change" ist eben längst kein Begriff mehr, den nur Amerikaner verstehen.


12.06.2009

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