Zazenhausen. Sieben Tage die Woche, oft bis nachts um zwölf Uhr:Die Erntezeit bedeutet für Landwirte viel Arbeit. Hansjörg Benz nimmt eine Hand voll Körner und betrachtet das Getreide auf seiner Handfläche. Ein Gerstenkorn nimmt er vorsichtig und steckt es sich zwischen die Zähne.
Er beißt kurz zu, dann ist er sich sicher: Die Gerste ist reif. "Wenn ich es mit den Schneidezähnen noch nicht beißen kann, aber mit den Backenzähnen schon, dann ist es soweit." Zur Sicherheit kann der 38-Jährige das Korn noch mit einem Feuchtigkeitsmesser prüfen, in den er einige Körnchen einfüllt. Höchstens 14,5 Prozent Restfeuchtigkeit dürfen die Körner haben, dann gelten sie als reif. "Wenn sie viel feuchter sind, lösen sie sich auch nicht von den Ähren." Aber auch der Feuchtigkeitsmesser zeigt an: Das Korn ist reif, die Mahd kann beginnen.
Seit einer guten Woche läuft bei Hansjörg Benz in Zazenhausen und vielen anderen Landwirten die Getreideernte. "Das ist die Zeit, in der man den Ertrag sieht", sagt Benz. Er erwartet ein gutes Jahr: "Von der Menge her könnte die Ernte überdurchschnittlich ausfallen."
Das liegt auch daran, dass Hansjörg Benz in diesem Jahr gut mit dem Wetterbericht gepokert hat. Das eher durchwachsene Wetter der vergangenen Monate war zum Beispiel für die Heuernte nicht ideal. Das Getreide von Bauer Benz konnte dagegen bestens gedeihen: "Für mich war das Wetter recht gut."
Im Juni und Anfang Juli gab es ausreichend Regen, pünktlich zur Ernte scheint jetzt oft die Sonne, und es ist warm. Der Regen war wichtig, damit die Pflanzen gut wachsen konnten. Die Sonne hat das Getreide gut reifen lassen. Dann muss der Landwirt noch den richtigen Zeitpunkt für die Ernte erwischen. Das heißt: "warten bis das Getreide reif ist, aber auch nicht länger", sagt Benz.
Zur Mahd muss es jetzt trocken sein. "Wenn das Getreide nass ist, lässt es sich nicht dreschen", erläutert Hansjörg Benz. Außerdem können die schweren Mähdrescher auf feuchtem Ackerboden schlecht fahren und bleiben immer wieder stecken. Laut Wetterbericht sieht es für Hansjörg Benz gut aus: In den kommenden Tagen ist viel Sonnenschein gemeldet.
Darüber freut sich auch Frank Stickel. Er drischt als Lohnfahrer für mehrere Landwirte in der Region das Korn. Das bedeutet während der Mahd, dass er sieben Tage in der Woche auf seinem Mähdrescher sitzt. Jeden Tag so lange es geht. "Manchmal dreschen wir auch bis nachts um zwölf Uhr." Heute steuert Frank Stickel seinen Mähdrescher auf einem der Felder von Hansjörg Benz. Während draußen die Sonne brennt, hat er es in seinem Fahrstand gut: Der Mähdrescher ist mit einer Klimaanlage ausgestattet. Bis zu zwei Hektar kann die Maschine in einer Stunde abmähen und dabei das Korn dreschen. Das Schneidwerk, mit dem sie die Ähren schneidet, ist fünfeinhalb Meter breit. Das Stroh lässt der Mähdrescher auf dem Acker liegen, das gedroschene Korn kippt er in einen Anhänger, den Hansjörg Benz mit dem Traktor abholt.
Auf insgesamt rund 33 Hektar Ackerfläche baut der Landwirt Getreide an. Das ist für den Zazenhäuser aber nur eines von mehreren Standbeinen. Im Jahresverlauf mache es höchstens 15 Prozent des Einkommens aus. "Wir sind ein klassischer Mischbetrieb", sagt er. Neben dem Getreide hat er auch Äcker mit Futterrüben und Gras. Das Gras fressen die 25 Milchkühe mit ihrem Nachwuchs, die er im Stall hat. Außerdem baut er Kartoffeln an, die er selbst vermarktet. Doch zur Erntezeit konzentriert er sich voll auf das Getreide. Gerade steht er in seiner Scheune, wo er den "Drusch" ablädt. So sagt der Zazenhäuser Landwirt zum Korn, wenn es gedroschen ist. In der Luft schweben kleine Strohfetzen, die vom Dreschen übrig sind. Es riecht nach trockenem Stroh. Hier in der Scheune lagern meterhohe Berge aus Gerste, die Hansjörg Benz weiter verkaufen muss. Denn mit dem Dreschen hört die Arbeit nicht auf. "Der Verkauf ist heute genauso wichtig, wie die Ernte selbst", sagt er. Man müsse zur richtigen Zeit verkaufen, um auch einen guten Preis für die Ernte zu bekommen.
Wenn Hansjörg Benz seinen Weizen und seine Gerste verkauft hat, wird das Getreide zu Nahrung verarbeitet. "Zu fester und flüssiger Nahrung", sagt er. Der Weizen wird zu Mehl und landet im Brotteig, die Gerste verwenden Bierbrauer.
Von Daniel Stahl Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau |