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Das Tor zum Tor
bleibt vorerst dicht


Am Dienstagabend hat Gernot Sommer das Tor zum Bolzplatz Fleiner Straße zum letzten Mal abgeschlossen. Wann er das Gitter wieder aufschließen darf, steht in den Sternen: Bis auf weiteres darf der Platz nicht mehr benutzt werden. "Diesen Schritt kann ich schwer nachvollziehen", sagt der rührige Bolzplatzpate.

Denn seiner Ansicht nach hat sich die Lage entspannt: "Viele Anwohner sagen, dass sie nichts gegen den Platz haben, wenn die Nutzungszeiten eingehalten werden und er sonn- und feiertags zu ist", sagt Sommer. Diese Regeln wurden im Mai eingeführt, nachdem ein Lärmgutachten der Stadt ergeben hatte, dass es auf dem Bolzplatz zu laut ist (die Nord-Rundschau berichtete).

Ein Blick zurück: Im Jahr 2004 war der Platz als Projekt der Sozialen Stadt Rot saniert und groß eröffnet worden - unter anderem mit VfB-Legende Hansi Müller, der als Kind an der Fleiner Straße gebolzt hatte. "Vielleicht wurde der Platz damals zu gut saniert", sagt Alexander Mak. Er ist Mentor eines Arbeitskreises der Sozialen Stadt Rot, der den Platz betreut. "Das ist der beste öffentliche Bolzplatz der Stadt", findet er. Als solcher hat der Platz auch viele Fußballer von außerhalb angelockt. "In der Anfangszeit standen hier Autos mit Kennzeichen aus der ganzen Gegend", erinnert sich Mak. Damals ging der Ärger los. Jeden Tag trafen sich an der Fleiner Straße Leute zum Kicken. Kinder und Jugendliche aus Rot kamen oft gar nicht zum Schuss. Die Anwohner beschwerten sich immer häufiger über wild fliegende Bälle, nächtliche Fußballspiele und die tägliche Lautstärke. Ein Anwohner hat irgendwann sein Haus verkauft, so laut ging es zu.


Mehrere Treffen von Platznutzern, Anwohnern und der Stadtverwaltung sollten die Probleme lösen. Der Zaun um den Platz wurde erhöht und gegen zu viel Lärm gedämmt. Doch das brachte nicht die erhoffte Abhilfe. Genauso wie die neuen Regeln, die seit Mai gelten: "Trotz den Nutzungseinschränkungen sind wir bei Lärmmessungen zu keinem wesentlich besseren Ergebnis gekommen", sagt Gerald Zwicker vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Höchstens 50 Dezibel seien an Sportflächen wie dem Roter Bolzplatz im Durchschnitt erlaubt. Zu manchen Spitzenzeiten habe man an der Fleiner Straße einen Schalldruckpegel von bis zu 87 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Ab 85 Dezibel ist auf Baustellen ein Gehörschutz Pflicht. Das Grundproblem ist laut Zwicker, dass der Bolzplatz vor vielen Jahren ungenehmigt errichtet wurde. Bei der Sanierung vor fünf Jahren sei nachträglich eine Baugenehmigung beantragt worden. Und weil Anwohner sich gegen den Platz beschwert hätten, habe automatisch das Regierungspräsidium (RP) sich um die Genehmigung kümmern müssen. Das RP verpflichtete die Stadt, den Lärm am Platz unter Kontrolle zu bekommen. "Wir haben dann innerhalb der Verwaltung noch einmal geprüft, wie der Betrieb aufrecht erhalten werden könnte", erzählt Gerald Zwicker. Deshalb wurden im Mai die neuen Platzregeln eingeführt. Doch am zu hohen Lärm ist vorläufig auch der Versuch mit den eingeschränkten Spielzeiten gescheitert. "Wir haben die Schließung schon ziemlich lange hinaus gezögert, jetzt hatten wir keinen Handlungsspielraum mehr. Die rechtliche Lage ist eindeutig", sagt Zwicker.


Ziel sei es aber weiterhin, eine Lösung zu finden. Ein neues Gutachten soll in den kommenden Monaten klären, ob und unter welchen Bedingungen der Bolzplatz wieder geöffnet werden könnte. Solange sollen die Kinder und Jugendlichen den Bolzplatz an der Böckinger Straße benutzen. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir nach den Sommerferien einen offiziellen Umzug organisieren oder ein Turnier dort veranstalten", sagt Stadtteilmanagerin Ute Kinn. In Zukunft könnte es eine weitere Alternative geben: den Bolzplatz Pliensäcker. Die Baugenehmigung dafür liegt seit kurzem vor. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten für den neuen Platz beginnen. "Da werden wir jetzt verstärkt Anstrengungen unternehmen, dass das bald fertig wird", sagt Zwicker. Stadtteilmanagerin Ute Kinn weiß allerdings, dass es beim Bolzplatz Fleiner Straße um mehr als das Kicken geht: "Der Platz stärkt die Identifikation der Jugendlichen mit dem Stadtteil, sie sind stolz darauf." Das habe auch damit zu tun, dass bereits Hansi Müller darauf gekickt habe. Der ist übrigens enttäuscht, dass sein ehemaliger Bolzplatz geschlossen wurde: "Ich kenne zwar die näheren Umstände noch nicht, aber als ich die Nachricht gehört habe, war ich schon betroffen."



(ib/ds)
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


13.08.2009

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