Rot. Jung gefreit hat nie gereut: Dieser Satz trifft auch auf die Ehe von Hans und Barbara Schuster geborene Dippong zu, die am Donnerstag in Rot das Fest der diamantenen Hochzeit gefeiert haben. Im Jahr 1948 lernten sich die beiden jungen aus dem Banat stammenden Donauschwaben in Zuffenhausen kennen.
"Es war bei uns Liebe auf den ersten Blick, wir haben auch super miteinander durchgehalten", sagen Barbara und Hans Schuster. Am 20. August 1948 wurden sie von einem katholischen Geistlichen im Lager Schlotwiese getraut, der ersten Station in der neuen Heimat. Das Hochzeitsbild zeigt die damals gerade 18-jährige Barbara Schuster als strahlende Braut im weißen Hochzeitskleid und den 23-jährigen Hans Schuster als stolzen Bräutigam. "Wir hatten nach dem Verlust unserer Heimat im Banat ja fast nichts mehr, man sieht es auf dem Hochzeitsbild nicht, wie arm wir damals waren", sagt Barbara Schuster. Für das Fest habe man schon lange davor jede Mark gespart. Angehörige und Freunde halfen bei der Ausstattung mit, liehen dem jungen Paar unter anderem auch das Hochzeitskleid nebst Schleier und ein weißes Hemd aus. "Man hat sich in den Nachkriegsjahren schon sehr gegenseitig geholfen", sagen Barbara und Hans Schuster, die im Lager Schlotwiese viele Landsleute getroffen haben. "Das Einleben fiel mir damals dort leichter, weil schon mein Bruder Josef mit seiner Familie im Lager wohnte", erzählt Barbara Schuster. "Das war schon ein Glück."
Barbara Schuster und ihre Mutter hatten aus einem Internierungslager flüchten können, in dem viele deutsche Landsleute gestorben sind. "Auch mein Großvater", berichtet Barbara Schuster. Über das Schicksal der älteren Schwester Maria wussten sie damals nichts. Erst Anfang der 50er Jahre erreichte die Familie, dass auch Maria von Jugoslawien nach Deutschland kommen konnte. "Leider hatte es meine Mutter dann nicht mehr erlebt", sagt Barbara Schuster. Aufgewachsen ist Hans Schuster im Ort Setschan im Banat, Barbara Schuster in Banat-Topola. Ihre Vorfahren kamen aus der Pfalz, dem Saarland und dem Elsass in die "Donaumonarchie" Österreich-Ungarn. Kaiserin Maria Theresia hatte damals viele Deutsche als Siedler angeworben. "Mein Urgroßvater Sebastian Krämer ist 1812 bereits in Setschan geboren", berichtet Hans Schuster. Heute gehören zur Familie die Tochter Herta und der Sohn Reinhold, sechs Enkel und die kleine Urenkelin Leni-Marie, die kurz vor der diamantenen Hochzeit ihrer Urgroßeltern zur Welt gekommen ist. "Das hat uns natürlich besonders gefreut", sagen Barbara und Hans Schuster. Sehr schön sei auch der gute Zusammenhalt in der ganzen Familie. Beruflich tätig war der gelernte Textilverkäufer Hans Schuster bis zum Ruhestand als Betriebsmeister bei der Firma L"Orange in Zuffenhausen, Barbara Schuster viele Jahre bei der Post. Im Urlaub steuerten sie von jeher immer Flüsse oder Seen an: Hans Schuster ist passionierter Angler, Barbara Schuster eine sehr gute Fischköchin, wie ihr Ehemann betont.
Zur diamantenen Hochzeit gratulierte dem Ehepaar auch ein Namensvetter aus dem Stuttgarter Rathaus: Bürgermeister Matthias Hahn übermittelte Barbara und Hans Schuster die Glückwünsche von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Für junge Paare haben Barbara und Hans Schuster einen Rat: "Zusammenhalten und nicht gleich wieder auseinander laufen."
Von Margret Rilling Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau |