Rot. Anlieger wehren sich gegen die Pläne, das Holzhaus der Mobilen Jugendarbeit zum Jugendtreff umzubauen. Seit Jahren wird in Rot nach einem geeigneten Platz gesucht, an dem sich Jugendliche treffen können. Verschiedene Standorte waren in der Diskussion und sind verworfen worden.
Im Bürgerhaus beispielsweise konnten keine geeigneten Räume gefunden werden. Und die Pläne, die Kegelbahnen des SV Rot umzubauen, scheiterten an der nicht realisierten Fusion des Vereins mit dem TV Cannstatt. Anfang des Jahres kam dann das Holzhaus der Mobilen Jugendarbeit ins Gespräch (wir berichteten). Da eine Sanierung wirtschaftlich unrentabel wäre, soll es abgerissen und neu gebaut werden. Dieser Gedanke ist allerdings Anwohnern und benachbarten Kleingärtnern ein Dorn im Auge. Sie hatten bei einem von Stadtteilmanagerin Ute Kinn moderierten Diskussions- und Infoabend am Dienstag Gelegenheit, ihre Bedenken vorzubringen.
"Das ist der falsche Standort", sagte eine Dame und bekam Applaus aus Reihen von Anwohnern und Kleingartenbetreibern. Man wolle keinesfalls einen Rückfall in frühere Zeiten. Vor einigen Jahren habe man schon einmal große Probleme mit Heranwachsenden gehabt. Laute Musik, extreme Vermüllung, verwüstete Kleingärten und Autorennen auf dem Parkplatz seien damals an der Tagesordnung gewesen. Man habe seitens der Anlieger Angst, dass diese Zustände wiederkämen. Dabei, so die Dame weiter, sei die Situation auch heute noch nicht wirklich gut: "Kondome und Spritzen liegen vor meiner Tür."
Unterstützung gab es von Monika Mergl, der Vorsitzenden der Gartenfreunde Zuffenhausen, und Karl Sauer, Generalpächter der Gartenfreunde Stuttgart und zugleich auch Anwohner. Zwar, so betonten beide nachdrücklich, habe man nichts gegen Jugendliche. Der Standort für das Projekt sei aber der falsche. "Wir sind gebrannte Kinder", sagte Sauer im Bezug auf die Vergangenheit.
Ebenso vehement wie die Gegner vertraten die Befürworter des Projekts ihre Argumente. "Wir brauchen Jugendräume in Rot, anders können wir diverse Probleme nicht lösen", erklärte Matthias Pallerberg von der Caritas, dem Trägerverein der Mobilen Jugendarbeit. Der Standort des Holzhauses stehe nicht in Frage. Zukünftig werde es rund 25 Prozent zusätzliches Programm geben. "Das neue Konzept sieht nicht vor, dass sonntags etwas angeboten wird", kündigte Pallerberg an. Christian Schmidt von der Mobilen Jungendarbeit betonte, dass es in den vergangenen vier Jahren nur eine Beschwerde gegeben habe: Im Juni war Anliegern eine sonntägliche Geburtstagsfeier für ein dreijähriges Kind zu laut gewesen.
Martin Holch, Projektleiter der Sozialen Stadt Rot beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, ging auf die Probleme bei der jahrelangen Suche nach einem geeigneten Platz für einen Jugendtreff ein und stellte klar: "Das ist der richtige Standort." Gedanken aus Reihen der Anlieger, den Heranwachsenden Plätze außerhalb bebauter Gebiete zur Verfügung zu stellen, fanden wenig Verständnis. "Die Jugendlichen sind Mitglieder der Gesellschaft. Man kann sie nicht an den Stadtrand abschieben", sagte Alexander Mak, Sprecher des Arbeitskreises I der Sozialen Stadt .
Etwa 200 000 Euro soll das Projekt kosten. Architekt Jürgen Zeeb betonte, dass es seitens des Baurechts keine Probleme für das Vorhaben gebe. Laut Bestandsuntersuchung käme eine Sanierung zu teuer, deshalb wäre ein Neubau aus Holz auf dem bisherigen Fundament vorgesehen. "Das Konzept sieht keinerlei Vergrößerung vor", erklärte der Architekt. Die Parkplätze vor dem Haus sollen bis auf zwei zurückgebaut werden. Zudem sei vorgesehen, den Eingang zu verlegen und stattdessen eine geschlossene Wand in Richtung der angrenzenden Wohnbebauung zu errichten.
Das pädagogische Angebot für den Jugendtreff stellte Christian Schmidt vor. Einerseits sei ein offenes Angebot unter der Woche geplant, zu dem auch ein Jugendcafé gehören solle. Ebenfalls vorgesehen seien spezielle Programme für Mädchen. Zudem wolle man das Haus für Geburtstagsfeiern oder Konfirmationen zur Verfügung stellen, allerdings nur an Personen über 18 Jahre, die den Betreuern bekannt seien.
Am Ende der Veranstaltung hatten sich die Wogen geglättet. In kleiner Runde wollen Anwohner, Kleingärtner und Mobile Jugendarbeit Anfang Oktober klären, wie es weiter geht.
Von Bernd Zeyer Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau |