Vor kurzem hat der Stadtteilservice Rot sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Das Projekt des Sozialunternehmens Neue Arbeit hat sich mittlerweile zu einer festen Institution im Stadtteil entwickelt, die vor allem von älteren Mitbürgern geschätzt wird.
"Es ist schön, manchmal einfach nur jemanden zu haben, mit dem man reden kann und der einem kleine Tipps gibt", sagt Hildegard Melchert. Die 83-Jährige nimmt seit einiger Zeit die Dienste des Stadtteilservice in Anspruch. Einmal in der Woche bekommt sie eine Stunde lang Besuch von einem Mitarbeiter. Der schaut in der Wohnung nach dem Rechten und besorgt auch die Kehrwoche. Einkaufen kann die Seniorin noch selbst - ebenso wie Maria Benaczek. Zweieinhalb Stunden in der Woche ist jemand vom Stadtteilservice bei der 88-Jährigen zu Gast. Mit ihm, so betont die ältere Dame, würde sie sich sehr gut verstehen: "Man kann alles erzählen, was einen bewegt. Die Mitarbeiter sind freundlich, aber auch verschwiegen." Melchert und Benaczek sind sich einig: "Die Einrichtung ist segensreich für uns ältere Leute."
Projektleiter des Stadtteilservice Rot ist Christian Elser. Er spricht von einer "doppelten Sinnhaftigkeit" des Vorhabens. So sei der Service einerseits ein fester Bestandteil des Gemeinwesens und biete andererseits Langzeitarbeitslosen die Chance, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen und sich zu qualifizieren. 17 Mitarbeiter hat der Stadtteilservice momentan, zugewiesen werden sie normalerweise vom Jobcenter der Agentur für Arbeit. Voraussetzungen sind Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und, ganz wichtig, Alkohol-Abstinenz. Die Wochenarbeitszeit beträgt zwischen 15 und 30 Stunden. Tätigkeiten sind unter anderem Einkäufe, Transporte, hauswirtschaftliche Aufgaben, Gartenarbeiten, kleinere Reparaturen oder das Erledigen der Kehrwoche. Begleitend zu ihrer Tätigkeit erhalten die Mitarbeiter verschiedene Beratungsangebote, Sprach- und PC-Kurse und Bewerbungstraining.
Seit März dieses Jahres ist Christoph Wanzek beim Stadtteilservice dabei. "Ich bin hier sehr zufrieden", erzählt der 42-Jährige. Als gelernter Altenpfleger weiß er, wie man mit Senioren umgeht und kennt ihre Bedürfnisse und Probleme. Anderthalb Jahre ist er arbeitslos gewesen, dann hat er sich freiwillig beim Stadtteilservice beworben und wurde nicht, wie normalerweise üblich, vom Jobcenter zugewiesen. 30 Stunden pro Woche macht er Kehrwoche, putzt Fenster oder geht zum Einkaufen. "Das positive Feedback von den Kunden und der Chefin hat mein Selbstvertrauen gestärkt", berichtet Wanzek.
Chefin, also Filialleiterin an der Schozacher Straße 20, ist Angelika Lemke: "Wir haben uns sehr gut in Rot integriert und haben genug Aufträge." Am meisten nachgefragt seien hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Mit zum Angebot gehört auch ein kleines Second-Hand-Kaufhaus. Auf rund 100 Quadratmetern finden sich Kleidung, Haushaltswaren und Bücher. Knapp zehn Frauen haben dort einen Job gefunden. Einkaufen darf dort jeder. Die Artikel, die angeboten werden, sind gespendet worden. Geöffnet ist das Kaufhaus an der Schozacher Straße 20 montags bis freitags von 9 bis 18 und am Samstag von 9 bis 14 Uhr. Spenden sind jederzeit willkommen.
Von Bernd Zeyer Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau |