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Bürgerumfrage 2009 'Leben in Stuttgart'
Spitzenwert bei Zufriedenheit mit Lebensqualität


Die Stuttgarter leben ausgesprochen gerne in ihrer Stadt und drei von vier Bürgern finden die hiesige Lebensqualität gut oder sehr gut. Dies geht aus der 8. Stuttgarter Bürgerumfrage des Statistischen Amtes zum Thema 'Leben in Stuttgart' hervor. Bürgermeister Dr. Martin Schairer und Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts, stellten die Ergebnisse vor kurzem vor.

Das Statistische Amt führt seit 1995 im Zwei-Jahres-Rhythmus Bürgerumfragen durch, dieses Jahr zwischen Mai und Juli. 8727 Einwohner, die mindestens 18 Jahre alt und mit Hauptwohnung in Stuttgart gemeldet waren, wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. 3838 Befragte beteiligten sich an der Erhebung, und damit so viel
(44 Prozent) wie an keiner bisherigen Bürgerumfrage.

„Die Bürgerumfrage des Statistischen Amtes ist als Instrument zur Beobachtung der Meinungen und Einschätzungen der Stuttgarter Bürgerschaft eine nicht mehr wegzudenkende Institution geworden“, sagt Bürgermeister Dr. Schairer, der den Bürgern für ihre rege Beteiligung dankte. „Eine Bürgerumfrage kann nur gelingen und repräsentative Ergebnisse liefern, wenn sich die ausgewählten Personen beteiligen und den Fragebogen ausfüllen.“

Das Meinungsbild der Bevölkerung in Bezug auf Zufriedenheit und Problemwahrnehmung habe sich kaum gewandelt, erklärte Bürgermeister Dr. Schairer. Es freue ihn, „dass gerade bei den Bereichen der Daseinsvorsorge und der Politikfelder, denen Verwaltungsspitze und Gemeinderat eine hohe Priorität einräumen, die Bürger zum Teil deutliche Verbesserungen wahrnehmen. Dazu zählen die Bereiche öffentliche Sicherheit, die Integration ausländischer Mitbürger, der öffentliche Nahverkehr, die Müllabfuhr, Verkehrsregelungsmaßnahmen und die Parkplatzmöglichkeiten ebenso wie die Bemühungen, die Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern in Stuttgart zu verbessern.“


Lebensqualität in Stuttgart
86 Prozent der Befragten gaben an, dass sie gerne in Stuttgart leben. Bei der letzten Bürgerumfrage 2007 war dieser Anteilswert mit 88 Prozent etwas höher gewesen, die aktuelle Zustimmungsquote ist (zusammen mit der von 2001) aber die zweithöchste überhaupt. Dieser sehr hohe „Wohlfühlfaktor“ drückt sich auch in der Beurteilung der Lebensqualität in Stuttgart aus. Auf die Frage „Wie beurteilen Sie – alles in allem genommen – die Lebensqualität in Stuttgart?“ antworteten 22 Prozent mit „sehr gut“ und 65 Prozent mit „gut“; gerade einmal
1 Prozent der Befragten beurteilten die hiesige Lebensqualität als „schlecht“. Der entsprechende Kommunalbarometerwert – einem Mittelwert aus den Wertungen von „sehr gut“ (100 Punkte) bis „sehr schlecht“ (0 Punkte) – ist mit 77 Punkten genauso hoch wie 2007 und damit der höchste Wert seit Einführung dieser Frage 1997.

Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen
Die Lebensqualität in Stuttgart wird nach 24 konkreten Lebensbereichen abgefragt. Von allen infrastrukturellen Einrichtungen und Angeboten in Stuttgart stehen traditionell die „Einkaufsmöglichkeiten“ und die „Öffentlichen Verkehrsmittel“ an vorderster Stelle. Beide Bereiche führen die Rangliste mit derselben Punktzahl wie 2007 (79 bzw. 77) an. Leicht verbessert haben sich „Kulturelle Einrichtungen/Veranstaltungen“ und „Angebot an Parks/Grünanlagen“. Danach folgen „Ärztliche Versorgung/Krankenhäuser“, die „Arbeits-/Verdienstmöglichkeiten“ und die „Abfallbeseitigung/Müllabfuhr“.
Lediglich in den Bereichen „Wohnungsangebots/Wohnungsmarkt“, „Situation für Fahrradfahrer“ und „Parkmöglichkeiten in der Innenstadt“ überwog die Unzufriedenheit.
Im längerfristigen Vergleich seit der Bürgerumfrage 2001 haben sich die Themen „Öffentliche Sicherheit/Schutz vor Kriminalität“, „Integrationsangebote für ausländische Mitbürger“, „Einkaufsmöglichkeiten“ und „Kulturelle Einrichtungen/Veranstaltungen“ am stärksten positiv verändert.

Probleme in Stuttgart
Die Befragten konnten aus 27 Bereichen die aus ihrer Sicht größten Probleme in Stuttgart ankreuzen. Im Durchschnitt nannten die Befragten 6,5 Probleme (2007: 6,3).
An der Spitze der Nennungen standen wie bei den Bürgerumfragen zuvor: „Zu viel Straßenverkehr“, „Zu hohe Mieten“ und „Zu wenig Parkmöglichkeiten“. Mit größerem Abstand folgen „Schlechte Luftqualität“ und „Zu hohe kommunale Steuern/Abgaben/Gebühren“.
Verbessert haben sich laut Umfrageergebnis im Vergleich zu 2007 „Mangelnde Sauberkeit von Straßen und Grünanlagen“ sowie „Unsicherheit auf den Straßen“. In der Problembewertung nach oben vorgerückt ist das Thema „Angespannte Finanz- und Haushaltslage der Stadt“.

Zukunftserwartungen der Stuttgarter
Die Zukunftserwartungen für die nächsten vier Jahre sind zweigeteilt. Bei den ökonomischen Themen herrscht eher Pessimismus: „Arbeitslosigkeit“ und „Wirtschaftliche Lage“ erreichen nur noch 34 (2007: 57) bzw. 36 Punkte (2007: 59) auf dem Kommunalbarometer. Etwas pessimistischer werden auch die Perspektiven für die Bereiche „Öffentliche Sicherheit, Schutz vor Kriminalität“ eingeschätzt. Andere Themen bleiben weitgehend auf dem Niveau der zurückliegenden Befragungen: „Wohnungsangebot/Wohnungsmarkt“, „Verhältnis zwischen den Generationen“. Leichte Verbesserungen werden für die Bereiche „Gemeinschaftssinn, bürgerschaftliches Engagement“ und „Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern“ erwartet.

Image der Landeshauptstadt Stuttgart
Nach wie vor wird Stuttgart aus der Sicht seiner Einwohner zuallererst das Attribut „wirtschaftskräftig“ zugeschrieben. Gegenüber dem Spitzenwert von 2007 (87 Punkte) ging diese Nennung zwar auf 80 Punkte zurück; das entspricht aber den Ergebnissen der früheren Bürgerumfragen 2001 bis 2005. Auch die anderen Eigenschaften sind fast durchweg, gegenüber der Bürgerumfrage 2007, etwas schwächer beurteilt worden, liegen aber weiterhin auf dem hohen Niveau früherer Umfragen. Dazu zählen die Eigenschaften „modern“, „international“, „gastlich“, „offen“, „lebenswert“, „lebendig“, „tolerant“, „innovativ“, „sicher“, „sauber“, „altenfreundlich“, „familienfreundlich“, „ausländerfreundlich“, „behindertenfreundlich“ und „kinderfreundlich“.
Diese Feststellung gilt auch für die Einordnung der Stadt anhand von plakativen Titeln bezüglich „Sportstadt“, „Kulturstadt“, „Automobilstadt“ und „Wissenschaftsstadt“. Eine deutliche und kontinuierliche Steigerung gegenüber früheren Bürgerumfragen verzeichnet der Titel „Messestadt/Kongressstadt“, der sich an die zweite Stelle vor „Kulturstadt“ geschoben hat. Der wichtigste Titel für Stuttgart aus der Sicht der Bevölkerung bleibt jedoch der einer „Automobilstadt“.

Ansehen der Verwaltung
Die Stadtverwaltung genießt ein praktisch unverändert hohes Ansehen bei den Befragten (62 Punkte). Bei 55 Prozent hat die Stadtverwaltung ein gutes oder sehr gutes Image; nur 10 Prozent gaben an, eine schlechte oder sehr schlechte Meinung von ihr zu haben.

Ausgabeprioritäten für den städtischen Haushalt
Bei der Frage, wo die Bürger im Haushalt der Stadt Stuttgart ihre Prioritäten setzen und bei welchen konkreten Aufgaben sie Einsparungen oder Mehrausgaben vornehmen würden, ergibt die Bilanzierung der Bürgervorschläge keine eindeutige Tendenz zu mehr Einsparungen. Über alle 29 aufgeführten, mit früheren Erhebungen vergleichbaren Einzelaufgaben gemittelt, votierten 33 Prozent (2007: 34 Prozent) der Befragten für Mehrausgaben, 56 Prozent für unveränderte Ausgabeprioritäten (wie 2007) und 11 Prozent (2007: 10 Prozent) für Einsparungen.
Bei der Gegenüberstellung der Prozentwerte für die Kategorien „Geld einsparen“ und „Mehr Geld ausgeben“ wird deutlich, dass nur bei 5 von 36 Aufgabenfeldern die Befragten „Geld einsparen“ gegenüber „Mehr Geld ausgeben“ befürworteten (vgl. Tabelle 9 a). Das sind die Bereiche „Ausbau des Straßennetzes“, „Begegnungsstätten in den Stadtbezirken für alle“, „Ortskernsanierung“, „Theater, Museen, kulturelle Veranstaltungen“ und „Stadtbibliothek“.
Bei den weitaus meisten Aufgaben der öffentlichen Hand indessen sehen die Befragten keinen Änderungsbedarf. „Ausgaben unverändert lassen“ wurde bei 25 von 36 Aufgabennennungen mehrheitlich (über 50 Prozent) angekreuzt.
Die Bereiche, in denen die Bürger mehr ausgeben möchten, lassen sich mit den Politikfeldern „Kinder und Bildung“ überschreiben; hinzu kommt die Bekämpfung der Jugendkriminalität. Leicht befürwortet wurden Mehrausgaben bei den Aufgaben „Altersgerechtes Wohnen“ und „Barrierefreie Wege/Zugänge für Rollstuhlfahrer“ sowie der Straßenunterhaltung.
Beim „Ausbau des Fahrradwegenetzes“ wurden zwar auch mehrheitlich Mehrausgaben genannt; das Thema „polarisiert“ aber gleichzeitig stark, denn 20 Prozent der Befragten sprachen sich für Einsparungen und
34 Prozent für den Status quo aus.


21.09.2009

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