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Auf Schusters Rappen
rund ums schöne Zuffenhausen


Wer Zuffenhausen einmal komplett auf Schusters Rappen umrunden möchte, sollte sich dafür sechs bis sieben Stunden Zeit nehmen. Stolze 24 Kilometer lang ist der Rundwanderweg 'Zuffenhäuser Hirt'. Wer nicht so gut zu Fuss ist oder wenig Zeit hat, kann einzelne Abschnitte der Strecke begehen.

"Liabe Leit von fern und nah, d"r Rondweg isch jetzt endlich da!", mit diesen Zeilen beginnt ein Gedicht von Hans-Joachim Meyer, das der Autor im Juni 1983 zur Feier der Wanderweg-Eröffnung getextet hatte. Seit damals hat sich einiges geändert, leider auch die Markierung der Strecke. Mittlerweile ist der stilisierte Hirt, der früher einmal auf zahlreichen Beleuchtungsmasten, Wänden oder Grenzsteinen zu finden war, nämlich nur noch selten zu sehen. Deshalb tun Wanderer gut daran, sich die unten auf dieser Seite abgebildete Karte auszuschneiden und in den Rucksack zu packen. Die Route umspannt das gesamte Stadtgebiet Zuffenhausens. Sie führt durch Wälder, Wiesen und Weinberge, aber auch vorbei an Industrieansiedlungen und Verkehrsadern.

"Am Kelterplatz der Weg beginnt, des woiß in Zukunft jedes Kind", schreibt Hans-Joachim Meyer. Vom Herzen Zuffenhausens hat man einen Blick zu Hallenbad und Johanneskirche, aber auch auf die momentan allgegenwärtige U-15-Baustelle. An der alten Post vorbei geht es dann zum Vorderberg und über den Dachsrain hinauf zur Krailenshalde, von wo sich bei gutem Wetter ein wunderbares Panorama über Pragsattel, Killesberg, Solitude und Lemberg bietet, außerdem sind fast ganz Feuerbach und ganz Zuffenhausen zu sehen. Gleich in der Nähe befindet sich das Vereinsheim der Hundefreunde, in dem sich müde Wanderer erholen und auch stärken können.

Nach einer kleinen Pause geht es weiter über den Burgholzhof, die Heide und den Roter Stich hinunter. Dann wird nach rechts abgebogen und in Richtung Schnarrenberg weitergewandert. Dort befindet sich unter anderem die Wetterstation, an deren Eingang eine Anzeige steht, auf der man aktuelle Wetterdaten ablesen kann. Aber es gibt dort noch eine Menge mehr zu sehen, wie Hans-Joachim Meyer beschreibt: "Erreichsch da Schnarrenberg erscht mal, weit schweift dr Blick ens Neckartal. Max-Eyth-See, Freiberg, Neugereut, schau dirr s no a, du hosch ja Zeit."

Nachdem die Aussicht genossen worden ist, führt der Weg weiter die Himmelsleiter hinunter nach Zazenhausen. Man gelangt mitten nach Zazenhausen und kann nun unter dem mächtigen Eisenbahnviadukt hindurchgehen. "Bald schreitescht onderm Viadukt - pass uff, dass koiner ronterspuckt", rät Hans-Joachim Meyer. Von hier aus kann man den Heimweg abkürzen und die Buslinie 401 benutzen, die von Mühlhausen über Zazenhausen und Zuffenhausen verkehrt.

Weiter geht es dann entlang der Hohlgrabenäcker. Auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. "Hohlgrabenäcker jetzt entlang, do hört mr no dr Vögel Sang", heißt es im Gedicht. Mittlerweile mussten viele Vögel den neuen Häusern weichen, die dort in den vergangenen Jahren gebaut worden sind. Danach können Wanderer ein kleines Stück auf den Spuren eines der berühmtesten Dichterfürsten wandeln: "Ond von dr sauhald goht dr Blick, wie Goethe ihn uns einst beschrieb. Er fuhr herab nach Zuffenhausen, wir jedoch müssen weitersausen." Und zwar in Richtung Stammheim, wo sich eventuell wieder eine Einkehr anbietet. Die letzte Straßenbahn beziehungsweise "Strampe" hat den Bezirk schon lange verlassen, gekommen sind eine Menge Arbeiter und Maschinen, die die Trasse für die neue Stadtbahnlinie U 15 bauen.

Weitaus beschaulicher geht es in Neuwirtshaus, der nächsten Etappe, zu. An der alten Römerstraße hat es dort früher eine Pferdewechselstation gegeben, heute kann man den Bus nach Zuffenhausen nehmen. Wer weiterläuft, verlässt Stuttgart und begibt sich auf Korntaler Gemarkung. "Ins Ausland wir uns nun begäbe, doch d" Korntaler lasset ons älle leba", schreibt Hans-Joachim Meyer und fährt fort: "Onder dr Eiseba durch zom Greutterwald, no a Schtöndle, no hemm"r s bald." In der Tat nähert sich der "Zuffenhäuser Hirt" nun seinem letzten Viertel. Entlang der Greutterwaldwiese geht es vorbei an einem Grabhügel aus der Keltenzeit, der rund 2500 Jahre alt sein dürfte. Nächste Station ist der höchste Punkt des Wanderweges, das 380 Meter hoch gelegene "Horn" an der westlichen Seite des Feuerbacher Höhenweges. Weiter führt die Route Richtung Osten, vorbei an vorgeschichtlichen Befestigungen aus der Urnenfelderzeit. Von dort hat man eine schöne Aussicht über Feuerbach und Weilimdorf. Danach biegt der Wanderer sozusagen auf die Zielgerade ein. Durch den Zuffenhäuser Stadtpark und am Bahnhof vorbei führt der Weg schließlich zur Frankenstraße und wieder zurück zum Kelterplatz. Zum Schluss gibt es laut dem Dichter Hans-Joachim Meyer nur noch eines zu tun: "Wann d" do jetzt an Durscht hosch ond Honger wia d" Sau, no fendsch au an Wirt, der verköschtigt die au. Ond wenn de dann satt bisch, no lob au dein Wirt! Ond denk an da Rondweg ,Zuffahäuser Hirt"!".



Von Bernd Zeyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


24.08.2010

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