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Mundhygiene im Alter? Und ob!
Dr. Kleinknecht über Prophylaxe im Alter


Warum Menschen über 60 immer öfter zum Arzt gehen, jedoch immer seltener zum Zahnarzt; weshalb die Betreuung von Senioren in Heimen und gehbehindeter Patienten verbessert werden muss; und wie Sie als Senior ihre Mundhygiene verbessern können, erfahren Sie hier im Gespräch mit Dr. med. dent. Kleinknecht, Zahnarzt aus Stuttgart-Rot.

Herr Dr. Kleinknecht, Sie haben eine besondere Verbindung zum Thema zahnärztliche Seniorenbetreuung, warum?
Die Bezirkszahnärztekammer Stuttgart übertrug mir die Aufgabe, mich um die Verbesserung der zahnärztlichen Versorgung der Alten- und Behinderteneinrichtungen Stuttgarts zu kümmern. Hier geht es im Einzelnen darum, das Pflegepersonal zum Thema Mund- und Prothesenhygiene zu schulen sowie jene Bewohner, bei denen es der Gesundheitszustand zulässt. Außerdem sollten Zahnärzte für ältere, kranke und behinderte Heimbewohner überhaupt erreichbar sein. Ich habe mir daher das langfristige Ziel gesetzt, diese Institutionen in Stuttgart mit Behandlungsräumen auszustatten.

Was ist speziell in Altenheimen, aus zahnärztlicher Sicht das Problem?
Untersuchungen zufolge herrschen in Altenheimen mangelhafte Zustände der Mundgesundheit. Neben Parodontitis und Halitosis (Mundgeruch) geht es hier vorwiegend um schlecht sitzende Prothesen, die schmerzhafte Entzündungen verursachen. Ein großes Plaque-Aufkommen und Wurzelkaries ist ein Hinweis auf schlechte Mundhygiene. Außerdem haben viele Patienten allgemeinmedizinische Krankheiten, die sich auf die Mundhöhle auswirken können, z. B. in Form von Candida, diabetische Zunge oder Mundtrockenheit. Werden die Beschwerden nicht oder nicht rechtzeitig behandelt, führt das zu meist größeren Beschwerden oder auch zu schlechterer Ernährung oder psychosozialem Rückzug.

Was sind die Gründe, weshalb die Mundhygiene in Altenheimen noch nicht auf dem Stand der Körperhygiene ist?
Zum einen ist in der pflegerischen Ausbildung das Thema Mundhygiene und Prophylaxe bisher nur unzureichend vertreten, was durch Mundhygiene-Schulungen in Heimen nachgeholt werden soll. Hier wird zum Beispiel unterrichtet, welche Hilfsmittel es bei der Prothesenhygiene gibt, wie man Zahnersatzkonstruktionen mit verschiedenen Halteelementen handhabt und wie man effektive Mundhygiene betreibt. Die Bewohner sind durch Allgemeinerkrankungen oft motorisch oder geistig eingeschränkt und können mit der Zahnbürste nicht ausreichend reinigen. Nicht zuletzt ist die Zeit ein wichtiger Faktor: Der enge Zeitplan des Pflegepersonals lässt oftmals die Mundhygiene zu kurz kommen. Regelmäßige Zahnreinigungen durch den Zahnarzt könnten hier die Folgen zumindest eindämmen. Doch wie gesagt, ist die Verfügbarkeit von Zahnärzten wichtig.

Was raten Sie Menschen, die zuhause gepflegt werden oder nur noch selten das Haus verlassen?
Bettlägerige oder gehbehinderte Patienten müssen nach der Schwere ihrer Allgemeinerkrankung beurteilen, ob sie einen Gang zum Zahnarzt noch in Angriff nehmen können. Unser Praxisteam betreut mehrere Einrichtungen und bietet einen Hausbesuchsdienst an, erkundigen Sie sich bei ihrem Zahnarzt, ob Hausbesuche möglich sind. Die Angehörigen des Pflegepatienten oder des alternden Menschen sind hier besonders gefragt. Erkundigen Sie sich bitte regelmäßig nach dem Bonusheft und wie lange der letzte Zahnarztbesuch schon her ist. Oftmals sind ältere Patienten gehemmt, weil der letzte Besuch schon lange zurück liegt oder eine größere Behandlung befürchtet wird. Hier gilt es, ein wenig unterstützende Initiative zu leisten, z. B. die Begleitung zum Zahnarzt anzubieten oder die Vorteile einer zahnärztlichen Prophylaxe aufzuzeigen.

Zahnärztiche Vorsorge siedelt man eher bei Kindern und Erwachsenen an, weshalb ist Prophylaxe auch oder gerade bei Älteren wichtig?
Es gibt eine immer größer werdende Gruppe von aktiven und gesunden Senioren, die großes Interesse an Mundgesundheit haben. Doch Sie haben Recht, die Prophylaxe wird bei vielen Senioren in Heimen oder auch jenen, die mit chronischen Erkrankungen zu kämpfen haben, vernachlässigt. Sie erscheint „nicht mehr so wichtig.“ Oftmals beanspruchen Krankheiten jene Patienten körperlich und psychisch so sehr, dass Mundhygiene und Vorsorgeuntersuchungen in den Hintergrund treten. Was dann größere, vermeidbare Folgen hat: wissenschaftlich ist z. B. ein enger Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarktrisiko erwiesen. Ebenso wie schlechte Mundgesundheit sich auf den Körper auswirkt, gilt das auch umgekehrt: Viele Menschen über 60 nehmen regelmäßig Medikamente ein, die den Speichelfluss verringern und Mundtrockenheit hervorrufen. Das wiederum begünstigt die Entstehung von Plaque, Halitosis (Mundgeruch) und Karies. Der Mensch ist als eine Einheit zu sehen. Die Mundgesundheit und der körperliche Zustand stehen in Wechselwirkung zueinander.

Was empfehlen Sie älteren Patienten, die körperlich nicht eingeschränkt sind?
Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sowie eine effektive Mundhygiene sind gerade im Alter sehr wichtig. Oftmals verstecken sich schwer entfernbare Beläge an Kronenrändern und in Nischen von Teilprothesen. Schleimhautveränderungen können rechtzeitig diagnostiziert werden. Der Vorteil regelmäßiger Prophylaxe-Sitzungen ist außerdem, dass es angenehme Behandlungen von recht kurzer Dauer sind, während bei größerem Sanierungsaufwand eher mit unangenehmen Instrumenten oder auch längeren Behandlungszeiten zu rechnen ist. Zudem bleiben die Zähne auf diese Weise kontrolliert und gesünder, was zu weniger Zahnschmerz und zu längerer Haltbarkeit von prothetischen Sanierungen führt. Letztendlich bewirkt das für den Patienten im Allgemeinen eine Kostenersparnis. Doch auch Angst spielt eine Rolle: je größer der Abstand zum letzten Zahnarztbesuch, desto größer die Hemmschwelle, endlich zu gehen. Die Gewohnheit regelmäßiger Prophylaxetermine verringert die Zahnarztangst. Falls Sie sich über Ihren Mundgesundheitszustand unsicher sind und nur eine Beratung wünschen: Unser Praxisteam freut sich auf Ihren Besuch!


Zahnarztpraxis Stuttgart
Dr. med. dent. Kleinknecht, Dr. med. dent. Kupferschmid, Dr. med. dent. Pryzbille, ZA Rehmert
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15.09.2010

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